Planungskartographie

Hinter der Abkürzung ÖROK verbirgt sich die Bezeichnung ,,Österreichische Raumordnungskonferenz". Diese erstellt das Raumentwicklungskonzept (ÖREK), welches für jeweils 10 Jahre Gültigkeit hat. Das momentan aktuelle ist das ÖREK 2011 und das Ziel dabei ist eine gesamtstaatliche Strategie für die Raumordnung in Österreich für die Mitglieder (Bund, Länder, Städte, Gemeinden,...). Die Raumbeobachtung von ÖROK bildet auch die Grundlage ,,mit einem Set an raumbezogenen Indikatoren" (Stix 2015: 65)  für den ÖROK-Atlas. Für ÖREK 2011 wurde der Umsetzungsprozess in drei Elemente unterteilt: ÖREK-Partnerschaft zur Umsetzung von Handlungsfeldern in thematischen Arbeitsgruppen, systematische Raumbeobachtung zur Untersuchung der Umsetzung des ÖREK bezüglich der räumlichen Wirkung und Vernetzung und Wissenstransfers (Ergebnisse für die Bevölkerung aufbereiten) (vgl. Stix 2015:66).

Beim ÖROK-Atlas handelt es sich um einen ,,Atlas zur Räumlichen [sic] Entwicklung Österreichs" (Sitte 2006:47). Bezüglich der modernen Atlaskartographie ist immer mehr ein Nebeneinander von konventioneller (analoger) und digitalen Erscheinungsformen festzustellen (vgl. Asche 2007: 183). Generell nimmt der Stellenwert von neuen Technologien und Medien immer weiter zu. ,,Heute haben neue und innovative Technologien einen großen Einfluss darauf, was Kartographie ausmacht" (Szarawara 2015:7). Die Atlanten der heutigen Zeit haben meist einen Thematischen Inhalt und bieten dem Nutzer neben der Navigation auch die Möglichkeit zur Personalisierung (vorwiegend im digitalen Bereich) (vgl. Asche 2007: 183). ,,Thematische Karten dienen der Veranschaulichung von absoluten, mittleren und relativen Zahlenwerten, von Einzelerscheinungen, komplexen Sachverhalten, begrifflichen Abstraktionen und geistigen Vorstellungen nach Verbreitung, Eigenschaften und Wirkungen" (Szarawara 2015: 21)

Der ÖROK-Atlas existiert seit 1983 und wurde bis 2007 in gedruckter Form veröffentlicht, danach nur mehr online. Zwei Jahre Arbeit (vgl. Pucher et al. o.J.: 1) waren im Vorfeld notwendig um das Onlinetool zu gestalten. Die Entwicklung erfolgte durch die TU und Universität Wien. (vgl. Katzlberger et al.2007: 89) 2014 erfolgte ein Relaunch, wodurch viele Funktionen verändert wurden (vgl. Stix 2015: 66). So war es vor 2014 beispielsweise möglich selbst in die Kartengestaltung einzugreifen, Datensätze zu bearbeiten und sogar eigene einzufügen. Nach dem Relaunch sind diese Möglichkeiten nicht mehr vorhanden.

 

Die Ziele des ÖROK-Atlas sind eine hochqualitative Karte als Endprodukt (auch ausdruckbar) und ein breit einsetzbares Medienangebot für verschiedene Nutzergruppen. Dabei ist eine Synthese aus Kartographie, Geographische Informationssystemen, Multimedia und Statistikanalysen entstanden. Neben Karten finden sich auch der ÖROK-Atlas Plattform auch Diagramme, Tabellen und Texte zu den thematischen Karten.

 

Auf der Website des ÖROK-Atlas (www.oerok-atlas.at) sind die unterschiedlichen Kartendarstellungen nach Säulen

  • Regionale und nationale Wettbewerbsfähigkeit
  • Gesellschaftliche Vielfalt und Solidarität
  • Klimawandel, Anpassung und Ressourceneffizienz
  • Kooperative und effiziente Handlungsstrukturen

und nach Themen

  • Bevölkerung und Haushalte
  • Standortattraktivität und Lebensstandard
  • Energie und Umwelt
  • Versorgungsqualität
  • Flächeninanspruchnahme und Siedlungsentwicklung
  • Wirtschaft -Niveau, Struktur, Verflechtung
  • Mobilität und Erreichbarkeit
  • Topographie und Verwaltungsgrenzen

eingeteilt.

Ein großer Vorteil am ÖROK-Atlas ist die freie und kostenlose Zugänglichkeit und die Verwendung auf allen gängigen Betriebssystemen.

Abbildung 1 zeigt die wichtigsten Elemente rund um die ÖROK-Karten.

 

Abbildung 1 (Quelle: Stix 2015: 70)

In Abbildung 1 ist in der untersten Sprechblase zu lesen, dass die Karten als PDF oder Powerpoint exportiert werden können, was sehr praktisch ist. Heute auch wichtig ist die Share Funktion für Twitter, Facebook,...). Je nach thematischen Inhalt und Datenverfügbarkeit können auch unterschiedliche Zeitperioden für die Visualisierung ausgewählt werden. Leider wird pro Karte nur ein thematischer Inhalt dargestellt. Wünschenswert wären Karten mit mehr thematischen Ebenen, um ähnliche Sachverhalte auf einen Blick erfassen zu können. Jedoch muss dies sorgsam erfolgen, damit keine Überladung der Karte auftritt. ,,In dem Maße, in dem die Komplexität eines Systems ansteigt, nimmt unsere Fähigkeit, präzise und damit signifikante Aussagen über sein Verhalten zu machen, ab. Präzision und Signifikanz schließen sich ab einem gewisse Komplexitätsgrad gegenseitig aus" (Benedikt et al 2002: 208)

Im Folgenden werden einige Negativbeispiele des ÖROK-Atlas besprochen und der Versuch für einige ausgewählte unternommen diese verbessert darzustellen.

Beispiel 1 beschäftigt sich mit dem„Anteil der Unter 15-jährigen an der Gesamtbevölkerung zu Jahresbeginn 2015 in Prozent – Frauen“.

Abbildung 2: Beispiel 1 (Quelle: ÖROK 2015)

Wie bei allen ÖROK-Karten handelt es sich auch hier um eine Inselkarte. Die Thematik wird auf Bezirksebene dargestellt, wobei die Legendenintervalle von 12 bis 16 Prozent reicht. Der Österreichdurchschnitt liegt bei 13,6 Prozent, daher wäre es von Vorteil, wenn dieser in der Skala in der Mitte liegen würde und die anderen Werte als zweifärbige Skala verdeutlichen, ob sich ein Bezirk über oder unter dem Österreichschnitt befindet. Beispiel 2 und 3 stellt einen ähnlichen Sachverhalt dar (Anteil der 65- und Mehrjährigen an der Gesamtbevölkerung zu Jahresbeginn 2015 in Prozent - Frauen; Anteil der 85 - und Mehrjährigen an der Gesamtbevölkerung zu Jahresbeginn 2015 in Prozent - Frauen).

 

 

Abbildung 3: Beispiel 2 (Quelle: ÖROK 2015)

 

 

Abbildung 4: Beispiel 3 (Quelle: ÖROK 2015)

 

Werden diese 3 Karten zusammen betrachtet, so fällt auf, dass die einzelnen Farbwerte in jeder Abbildung für einen anderen Wertebereich stehen. Daher wurde bei den Verbesserungen dieser Punkt verändert. Dadurch wurden die Klassengruppen vergrößert und die Legende ist deutlich länger, wie in Abbildung 4, 5 und 6 zu sehen ist. Die Veränderung kann jedoch auch kritisch betrachtet werden, da normalerweise in einer Legende nur jene Klassen abgebildet werden sollten, die auch in der Karte zu sehen sind. Trotz dieser Tatsache wurde bewusst dies nicht berücksichtigt, um auf die Problematik der verschiedenen Zahlenwerte der einzelnen Rottöne in den Originalkarten aufmerksam zu machen.

 

Abbildung 5: Überarbeitung von Beispiel 1

Aufgrund der verlängerten Klasseneinteilung ist der Fall eintreten, dass nun nicht mehr alle Farben in der Legende auch in der Karte zu finden sind. Die Rottöne fehlen bei der Überarbeitung von Beispiel 1 komplett.

 

Abbildung 6: Überarbeitung von Beispiel 2

In der Überarbeitung von Beispiel 2 ist das Gleiche wie bei Beispiel 1 passiert (das Fehlen aller Klassen).

 

Abbildung 7: Überarbeitung von Beispiel 3

Anhand von Beispiel 3 wurde ein weiterer Kritikpunkt bearbeitet. Werden die Tabellen einer Karte genauer betrachtet, so fällt auf, dass die Werte teilweise sehr weit streuen. Dadurch kann es vorkommen, dass in manchen Klassen nur sehr wenige Werte enthalten sind, während bei anderen sehr viele auftreten. So ist in Abbildung 8 zu erkennen, dass die meisten Werte in Klasse 2 (3,0-4,0) zu finden sind, während hingegen in Klasse 4 und 5 nur sehr wenige Werte hineinfallen. Die Anzahl der Klassen ist direkt in der Legende abzulesen, zur Veranschaulichung wurde noch zusätzlich ein Histogramm dazugefügt.

 

Abbildung 8: Ergänzung von Beispiel 3 durch ein Histogramm

Beispiel 4 in Abbildung 9 zeigt die Bevölkerungszahl zu Jahresbeginn 2014-2015 in Prozent. Die Gemeinden mit einer Zunahme an Einwohnern sind in rot, jene mit einer Abnahme in blau eingefärbt. Als Kritikpunkt ist hier die anzuführen, dass es keine eigene Klasse für die Stagnation (bis etwa 0,18%) vorhanden ist.

 

Abbildung 9: Beispiel 4 (Quelle: ÖROK 2015)

In Abbildung 10 wurde für den Wertebereich 0,2  bis  -0,2 eine Stagnationsklasse eingefügt.

 

Abbildung 10: Überarbeitung von Beispiel 4

Die Karte in Beispiel 5 (Abbildung 11) beschäftigt sich mit der Veränderung der Bevölkerungszahl zu Jahresbeginn 2005-2015 in Prozent.

 

Abbildung 11: Beispiel 5 (Quelle: ÖROK 2015)

Hier wurde die Wertetabelle etwas genauer betrachtet und dabei festgestellt, dass es Ausreißerwerte vor allem in Richtung Bevölkerungsabnahme gibt. Daher wurde in der Überarbeitung eine eigene Klasse für Ausreißer hinzugefügt.  Da es sich in diesem Fall um einen konkreten Wert handelt, konnte dieser auch direkt in der Legende angegeben werden (-30,7)

 

Abbildung 12: Einfügen einer Ausreißerklasse in Beispiel 5

 

Als letztes Beispiel 6 (Abbildung 13) wurde auf die Farbauswahl genauer eingegangen. Inhaltlich wird das Bruttoregionalprodukt (BRP) je Einwohner/in 2012, laufende Preise, Index AT=100 dargestellt. Als störend wurde empfunden, dass eine Wachstum in roter Farbe dargestellt wurde, während die Abnahmen in grün eingefärbt sind. Rot wird jedoch oft mit negativen Sachverhalten in Verbindung gebracht (man denke an rote Zahlen bei einer Abrechnung). Im Gegensatz dazu wird grün in der Regel für positive Inhalte verändert. Dies ist im Beispiel 6 jedoch nicht der Fall, da hier die niedrigsten Klassen den Farbton Grün aufweisen.

 

Abbildung 13: Beispiel 6 (Quelle: ÖROK 2015)

Für die Überarbeitung wurden die Farben Blau und Gelb ausgewählt (Abbildung 14). So wurden die Klassen mit einem hohen BIP in Blau dargestellt, jene mit einem niedrigen in Gelb.

 

Der Örok Atlas gibt in erster Linie Informationen über die aktuelle und prognostizierte räumliche Entwicklung  räumlicher Einheiten, wie z.B. einem wirtschaftlichen Aufschwung anhand des Rückgangs der Arbeitslosigkeit in einer Gemeinde (Bezirk, Bundesland) oder eine Verjüngung der Bevölkerung anhand des Anstiegs der Bevölkerungsgruppe der unter 15 jährigen. Somit erfüllt er im Bereich der Planungskartographie den Aspekt von BestandskartenundPlanungsgrundlagenkarten. Anhand dieser Karten können somit, wie es auch auf der Homepage heißt, aktuell Handlungsempfehlungen veranschaulicht werden, beispielweise können Gemeinden in denen die Betreuungsquote von Kindern in den letzten Jahren rückläufig war daraus entsprechende Maßnahmen wie den Bau neuer Einrichtungen ableiten. Allerdings muss hierbei wie Benedikt und Kratochwil feststellen, die begrenzte Aussagekraft von Dichtekarten in der Planungskartographie berücksichtigt werden. Im genannten Beispiel mit der Veränderung der Betreuungsquote muss beispielweise bedacht werden, da in Gemeinden mit nur sehr wenigen betreuungsbedürftigen Kindern ein betreutes Kind weniger einen rapiden Rückgang der Betreuungsquote verursachen kann und einen vermeintlichen Handlungsbedarf suggerieren kann, der in Wahrheit womöglich gar nicht besteht.

Warum der Örok Atlas nur bedingt als Planungsinstrument für die Raumplanung geeignet ist, liegt vor allem auch daran, dass er nur vordefinierte Karten zu ausgewählten Themen liefert und dabei auch stets nur einen thematischen Inhalt aufzeigt. So können keine detaillierten benutzerdefinierten Abfragen durchgeführt werden, z.B. in welchen Gemeinden steigt die Geburtenrate und gibt es eine schlechte Betreuungsquote von Kindern in Kindertagesstätten um beispielweise zu ermitteln wo entsprechende Einrichtungen dringend benötigt werden. Ferner fehlt auch der Aspekt der Bürgerbeteiligung in Form von Beteiligungskarten.

Des Weiterem wäre es wünschenswert mehrere Karten nebeneinander anzuzeigen. Dies ist leider nicht möglich und so muss der Betrachter zwischen den einzelnen Darstellungen hin und her klicken. So könnten nicht nur verschiedene Thematiken einem direkten Vergleich unterzogen werden, sondern auch die Hierarchieebenen (Bundesland, Bezirke, Gemeinden) könnten berücksichtigt werden.

Alles in allem kann der Örok-Atlas zusammenfassend nur bedingt als Planungsinstrument herangezogen werden. Für den ersten Überblick über verschiedene Thematiken mag er ausreichend sein, jedoch ist der praktische Nutzen aufgrund der fehlenden Möglichkeit selbst Daten reinzuladen oder diese zu bearbeiten schnell erschöpft. Ein weiterer Minuspunkt ist die Tatsache, dass man die Darstellung (Farben, Skalen, ...) nicht verändern kann.

Literatur:

  • Asche H. (2007): Stand und Zukunftstendenzen der Atlaskartographie im Spiegel digitaler Atlanten. – In: Kartographische Nachrichten. Fachzeitschrift für Geoinformation und Visualisierung (57). (183-191).
  • Benedikt J. und Kratochwil S. (2002): Die Wirklichkeit der Raumplanung, Werkzeuge für ein neues Raumverständnis. (207-211)
  • Katzlberger G., Kriz K. und Pucher A. (2007): ÖROK-Atlas online – Einsatz eines nationalen Atlas-Informationssystems im Unterricht. – Heidelberg (87-94).
  • Pucher A., Kriz K. und Katzlberger G. (o.J.): ÖROK-Atlas online – Atlas Information System Of Austria. – Wien.
  • Sitte C. (2006): Der ÖROK-Atlas – www.oerok-atlas.at. Ein neues, IKT-gestützes online verfügbares Hilfsmittel für den GWK-Unterricht. – In: Wirtschafts- und Sozialgeographie Wirtschaftsinformationen. (47-52).
  • Stix E. (2015): Das ÖROK-Raumbeobachtungssystem bzw. der neue ÖROK-Atlas ist online. – In: GW-Unterricht 138 (65-70)
  • Szarawara K. (2015): Eine inhaltliche Annäherung. VU Planungskartographie. WS2015_16. (Lehrveranstaltungsfolien)
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