Linda Katharina Klein
BUNT STATT BLA: DIE SÜDSTADT DEMONSTRIERT
Kölner Veedel kämpft für Hätz statt Hetze
"Hass ist krass, Liebe ist krasser"

Ein ganzes Veedel entschließt sich, gemeinsam ein Zeichen für Toleranz, Miteinander und Menschlichkeit zu setzen. Zusammen will man zeigen, dass Köln kein Ort ist, an dem die Afd mit ihren Parolen punkten kann. Die Südstadt bietet keinen Raum für Hass. Bürger, Künstler, Kneipen und Vereine planen einen Protestmarsch. Und so rückten die Menschen dicht zusammen, als sich der Chlodwigplatz am Morgen des 22. Aprils in ein Meer aus bunten Ballons verwandelt. Es ist der Beginn eines beeindruckenden Demonstrationszuges. Er zeigt: Protest kann nicht nur friedlich, sondern auch kunterbunt und fröhlich sein.

Die meisten Kölner machen an diesem kühlen Samstagmorgen den Eindruck, als hätten sie nicht mit einer solch großen Solidarität gerechnet. Trotz Nieselregen und eisigem Wind finden sich binnen Minuten immer mehr Menschen zusammen. Familien kommen samt Kinderwagen und selbstgemalten Bildern, Studenten bringen wortgewaltige Transparente und auch Senioren schließen sich der bunten Gemeinschaft an. Pappnasen und Kostüme werden gesichtet, bunte Ballons verteilt. Keine Spur von Aggression. "Hass ist krass, Liebe ist krasser", steht auf einem Plakat. Eine ältere Dame nickt, als sie es liest und reiht sich in die Menge ein.

 

 

Linda Katharina Klein
Su simmer all he hinjekumme
Gemeinsam für ein weltoffenes Köln

Langsam füllt sich der Platz mit Leben, Menschen kommen ins Gespräch, beginnen angeregt zu diskutieren. Gegen die Kälte wird geschunkelt, gesungen, heißer Kaffee geteilt. Es hat etwas von Karneval. Nur sind die Leute nicht nur zum Spaß hier. Sie wollen etwas bewegen. Einen Unterschied machen. "Wir können nicht sagen, wir hätten von nichts gewusst. Wir werden den Mund aufmachen", tönt es aus der Menge. "Arsch huhZäng ussenander" fordert auch ein T-Shirt der Kölner Kampagne gegen rechte Gewalt. Ein Mann hält es in die Höhe, sodass es schon von Weitem sichtbar ist.

Statt Steinen fliegt Konfetti durch die Luft. Statt Waffen werden Regenbogen-Flaggen geschwenkt. Polizisten nicken den Demonstranten zu. Erst zurückhaltend, dann  als Einhorn-Ballons und Seifenblasen über den Platz schweben  mit einem breiten Lächeln. Angeführt von einem knallroten Traktor setzt sich die Demonstration in Bewegung. Es geht durch das Severinstor in Richtung Heumarkt. Und als die ersten die alten Mauern passieren, geschieht etwas, das viele sichtlich zu bewegen scheint.

 

 

Linda Katharina Klein
Kölle du bes e jeföhl
Sternenmarsch sorgt für Begeisterung

"Hier sind aber viele Menschen", freut sich ein Mädchen im Vorschulalter. Trotz der mehreren tausend Demonstranten, hatten einige jedoch auf mehr Teilnehmer gehofft. Vielleicht hat die Berichterstattung über mögliche Unruhen sie verunsichert, vielleicht fürchteten sie mögliche Konflikte. Wer heute hier ist, merkt sofort, dass alle Sorgen unbegründet waren. "Bunt statt Bla" ist ein Sternmarsch, wie er friedlicher nicht hätte sein können. Und die Südstadt dankt es ihm, auf ihre ganz besondere Art.

Am Straßenrand warten junge Familien, die sich scheinbar spontan entschlossen haben, doch noch mitzugehen. Rüstige Herren winken aus den Fenstern herab, der Eisdielen-Besitzer kann seine Freude nicht verbergen. Jeder, der nicht mitgehen kann, kommt zumindest zuschauen. Der Köbes eilt aus dem Brauhaus auf die Straße, die Imbiss-Mitarbeiter filmen das Spektakel und ein paar rüstige Damen unterbrechen ihren Kaffeeklatsch, um durch die Fensterscheibe des Bäckers den Demonstranten zuzuwinken. Immer mehr Menschen reihen sich ein. Ein Passant bleibt stehen und sendet die Eindrücke des Sternmarsches per Skype hinaus in die Welt. Es ist eine stille Übereinkunft, ein Nicken hier, ein Winken dort. Die Südstadt steht hinter dieser Demonstration. "Ach Kölle, du bes e jeföhl", strahlt eine junge Frau.

 

Linda Katharina Klein
Mir all sin Kölle
"Hass mit Humor und Solidarität begegnen"

Spätestens am Heumarkt, spürt jeder, das er Teil eines großen Ganzen ist. "Bunt statt Bla" reiht sich in die Menge ein, der Moderator heißt die "Fründe aus der Südstadt" herzlich willkommen. Hier kommen zahlreiche Menschen zusammen, die an diesem Tage für ein weltoffenes Köln demonstrieren. Aus vielen Gruppen und Sternmärschen wird eine große Gemeinschaft.

Die Menschen schunkeln, klatschen und trotzen der Kälte. Über dem Platz hängt ein großes Transparent in Richtung des Maritim Hotels, in dem die Afd heute zum Unmut vieler Kölner ihren Parteitag halten darf. Darauf geschrieben steht: "Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist rechtsradikal." Viele Menschen schmunzeln, als sie es sehen. Hass mit Humor und Solidarität begegnen. Das ist, wofür die Kölner bekannt sind. Und der Grund, warum ich diese Stadt so liebe.

Linda Katharina Klein
შექმნილია  “ჯამპსტარტ ჯორჯიას” მიერ