Umweltgerechtigkeit
Lärm und Abgase auf der einen Seite...

Abgase

...Grünflächen und frische Luft auf der anderen: Unsere Umwelt hat große Auswirkungen auf uns, unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Allerdings kann unsere Umwelt sehr unterschiedlich sein – global, und auch lokal gesehen. Je nachdem wo Menschen sich aufhalten, sind sie von verschiedenen Umweltfaktoren beeinflusst. Wer wo besonders von welchen Umweltfaktoren betroffen ist und wer nicht, das wird im Forschungsfeld umweltbezogene Gerechtigkeit untersucht.

Heike Köckler, Professorin für Sozialraum und Gesundheit an der Hochschule für Gesundheit in Bochum

Unterschiede in Umweltbelastungen gibt es sowohl auf globaler, als auch auf regionaler Ebene. Viele Länder, vor allem im globalen Süden, haben aufgrund ihrer geographischen Lage mit unterschiedlichen Folgen des Klimawandels zu kämpfen – etwa dem steigenden Meeresspiegel oder auch häufiger auftretenden Dürren. Diese Erscheinungen sind unter anderem auf die massiven CO2-Emissionen der Industrieländer des globalen Nordens zurückzuführen, durch die der anthropogene, also menschengemachte, Treibhauseffekt verstärkt wird. Hier wird häufig von Klima- oder Klimawandelgerechtigkeit gesprochen.

 

Es gibt aber auch durchaus soziale Unterschiede durch Hitze oder Extremwetter in Europa.

Verschiedene Folgen des Klimawandels sind nicht die einzigen Umweltfaktoren in europäischen und deutschen Städten, die sich auf das Leben und auf die Gesundheit auswirken. Ungleich verteilt in deutschen Städten sind beispielsweise Grünflächen, die für frische Luft, Erholung und Bewegung durchaus eine wichtige Rolle spielen. Und auch Umweltbelastungen wie Abgase und Lärm sind innerhalb einer Stadt verschieden: In jeder Stadt gibt es Stadtteile, wo Menschen mit geringem Einkommen oder beispielsweise einem Migrationshintergrund leben. Hier ist die Umweltbelastung oft höher und die Umweltressourcen geringer. Dabei sind häufig genau diese Leute gar nicht Schuld an Lärm und Abgasen.

 

Wie lässt sich diese Ungerechtigkeit und Ungleichheit ändern? Expertin Heike Köckler pocht auf die Einhaltung von Grenzwerten. Gerade was Diesel, Feinstaub und Stickstoffdioxid angeht.

stau

Vor allem im Moment wird offensichtlich, dass selbst bestehende Grenzwerte nicht eingehalten werden. Würden Euronormen bei Autos auch konsequent umgesetzt, könnten wir natürlich die Luftqualität in Städten insgesamt für alle deutlich verbessern. Ein größerer Anteil an elektrobetriebenen Fahrzeugen oder generell nachhaltigere Mobilität würde ebenfalls helfen, die Ungleichheiten zu mindern, sagt Köckler. Insgesamt ist Verkehr durch Lärm und Schadstoffausstoß einer der wichtigsten Faktoren in punkto umweltbezogene Gerechtigkeit. Aber auch die Stadtplanung kann ihren Teil zu einer gerechten Verteilung der Umweltfaktoren beitragen. So können Kommunen auf eine gleichmäßige Verteilung von Grünflächen über alle Stadtteile hinweg achten, so dass auch Menschen mit geringem Einkommen diese genießen können.

Insgesamt sieht Köckler den größten Handlungsbedarf für mehr Gerechtigkeit an zwei Stellen

Köckler hat in ihrer langjährigen Forschungsarbeit herausgefunden, dass zum Beispiel Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, weniger in umweltpolitische Prozesse einbezogen werden und stärker unter Umweltbelastungen aller Art leiden. Es ist höchste Zeit, dass das Thema vorne auf der politischen Agenda landet, damit Umweltbelastungen sowie -ressourcen auf der Welt, in Europa und in Deutschland, gerechter verteilt werden können.

 

Powered by  Jumpstart Georgia