Abitur, Australien, Ausruhen – Die „Generation Y“?

Als Personifikation für Digitalisierung und Globalisierung werden wir angesehen – die „Generation Y“. Auch „Millenials“ oder „Digital Natives“ werden die heutigen Jugendlichen zwischen 20 und 35 Jahren genannt. Gibt man bei Google „Studenten heute“ ein, bekommt man als Vorschläge faul, komisch und arrogant angezeigt. Was uns „Ypsiloner“ eigentlich ausmacht und warum wir mehr können als uns selbst zu verwirklichen. 

 

„Generation Y“ – wie passend, denn englisch ausgesprochen steht das „Why“ für warum und damit sinnbildlich für die Frage nach dem richtigen Lebensstil, die uns beschäftigt. Umgeben von einer Flut an Informationen, haben wir den Drang alles zu hinterfragen Der Vater eines Freundes antwortete mir auf die Frage, was uns beschreibt: „Lebenslustigkeit und ein hoher Stellenwert von Freizeit, Freunden und Familie“. Gerade in dieser hektischen und schnelllebigen Zeit, finde ich diese Werte mit der auch ich unsere Generation beschreiben würde, sehr wichtig.

 

In vielen Bereichen ist sich die Wissenschaft einig. Anders als manche Generationen vor uns wollen wir vor allem Spaß an der Arbeit haben und die Chance auf ein freies, unbeschwertes Leben. Auch in meinem Umfeld kann ich diesen Trend beobachten. Als fast selbstverständlich gilt es, nach dem Abitur ein Jahr in Australien oder Neuseeland zu verbringen. Reisen, neue Erfahrungen sammeln und den eigenen Horizont erweitern ist es, wofür Jugendliche brennen. Der Umgang mit Technik ist für uns selbstverständlich, denn seit unserer frühen Jugend kennen wir das Internet und das Smartphone. Eine Fähigkeit, um die wir von älteren Generationen meist beneidet werden. Doch der Wunsch nach materiellem Erfolg tritt somit zurück. Gerade deshalb halten uns ältere Generationen vor, wir seien faul und wollten uns nicht festlegen.

Doch Klaus Hurrelmann, ein Sozial-, Gesundheits-, und Bildungswissenschaftler, der in Berlin arbeitet, erklärt: „Sie sind eine Generation, die mit Krisen aufgewachsen ist. Von Wirtschaftskrisen, den daraus resultierenden Krisen am Arbeitsmarkt, über die Ereignisse von 9/11 und vielen weiteren Terroranschlägen, bis hin zu politischen Krisen. Und sie konnten diesen nie ausweichen. Durch den digitalen Fortschritt und das Internet, mit dem ein Großteil Ihrer Generation aufgewachsen ist, sind Sie eigentlich immer auf Sendung."

Aber gerade deswegen sind wir in der Arbeitswelt echte Allrounder. Wir sind offen für Neues und sprechen meist mehrere Sprachen. Wenn neue Unternehmensformen die Arbeitswelt revolutionieren sind wir begeistert. Fortschritt und Veränderung stehen wir positiv gegenüber. Das ist wichtig im Zeitalter der vierten industriellen Revolution. Die meisten Firmen werden in den kommenden Jahren drastische Entwicklungen durchleben. Für uns ist das kein Problem. 

 Durch die Maßstäbe, die diese Unternehmen in unserer Arbeitswelt setzen, wächst aber auch in uns der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance. Google und Facebook beispielsweise bieten ihren Mitarbeitern eigene Schwimmbäder, Kinos und Fitnessräume. Vielleicht ist das der Preis, den Firmen für die ständige Erreichbarkeit ihrer Mitarbeiter zahlen müssen.

Wir sagen Ja! Aber zu allem …

Besonders auffällig ist der Trend, dass „Digital Natives“ nicht mehr Nein sagen. Ganz gleich wie viel Arbeit der Professor oder der Chef auferlegt, es wird akzeptiert. Wenn sich beschwert wird, geschieht das meist im Geheimen. Eine Studie von Juli 2017 der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass unsere Generation zwar über einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Solidarität verfügt, dennoch ist sie verunsichert und traut sich nicht gerechtfertigte Forderungen zu stellen oder Grenzen zu setzen.

Befragt wurden 34 Teilnehmer unter 35 Jahren in verschiedenen Branchen. Als Gründe für die ausgeprägte Unsicherheit legt die Studie einen krisengeprägten Start in die Arbeitswelt dar. In den Jahren des Berufseinstiegs erleben wir häufig Entlassungen und Umbrüche in Unternehmen und sind in befristeten Verträgen angestellt. Zwar sind ältere Generationen genauso betroffen, diese haben jedoch längere und vor allem nachhaltigere Zeiten des Aufschwungs erlebt, von denen sie jetzt zehren können. Denn durch die weltweite Vernetzung kommen Aufschwung aber auch Krise schneller zu uns.

Wir sind selbstbewusst und individualistisch, jedoch trotzdem solidarisch. Außerdem sind wir vielseitig interessiert und haben einen weiten Horizont. Wenn wir es schaffen, unsere Grenzen klar zu setzen und uns nicht von älteren Generationen zum Spielball machen zu lassen, blicke ich mit großartiger Erwartung in die Zukunft mit meiner „Generation Y“. 

 

Quellen

Hans-Böckler-Stiftung. (26. 07 2017). www.boeckler.de. Von https://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/106575_110148.htm abgerufen (16.01.18)

Schillat, F. (20. Oktober 2017). Stern. Von https://www.stern.de/neon/zukunft/generation-y--wer-bin-ich--auf-der-suche-nach-meiner-generation-7662118.html abgerufen (16.01.18)

 

 

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